Greta Jasser, Alexander Hensel, Leander FrickePostpandemischer PopulismusZum Fortleben der Anti-Corona-Proteste in Niedersachsen
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Die Pandemie ist vorüber – und dennoch sind viele Gruppen, die aus Protesten gegen die Corona-Maßnahmen entstanden sind, weiterhin hochaktiv. Was aber motiviert die Aktivist:innen eigentlich noch? Die jetzt bei Transcript erschienene Studie untersucht, warum und wie Anti-Corona-Gruppen in Niedersachsen nach dem Ende der Pandemie noch aktiv sind.
Um herauszufinden, was die Proteste prägt und trägt, haben die Autor:innen in einer qualitativen Fallstudie die analogen und digitalen Aktivitäten ausgewählter niedersächsischer Protestgruppen detailliert untersucht. Dazu wurden Vor-Ort-Beobachtungen von Aktionen mit Inhaltsanalysen der Social-Media-Kommunikation der Gruppen verschränkt, um deren Organisations- und Aktionsformen sowie Deutungsmuster vergleichend zu analyiseren.
Es zeigt sich: Die Protestgruppen zeichnet eine von der Pandemiepolitik geprägte politische Weltsicht aus, die als »postpandemischer Populismus« beschrieben wird. Dieser übt weiterhin scharfe Kritik an politischen und medialen Eliten, deren Integrität und Legitimität infolge der Corona-Politik bezweifelt wird. Zugleich versuchen die Gruppen Anschluss an aktuelle Konfliktdynamiken und -themen zu finden und in einen direkten Dialog mit der lokalen Bevölkerung zu treten. Getragen wird der Protest von einem gut organisierten und eng vernetzten Kern von Aktivist:innen, die durch negative Pandemie-Erfahrungen und eine gemeinschaftliche Binnenkultur verbunden werden.